Die MOKcasttechnik basiert auf dem Stabilitätsprinzip einer
geschlossenen Röhre durch einen Polyestercast mit eingewebten Gummifaden
( Delta Cast Conformable™), der seine Eigenschaften anhand der
applizierten Lagen verändert.
Dies ermöglicht minimale, im Frakturbereich stabile (3 bis 5 lagig)
und im distalen und proximalen Bereich flexible (1 bis 2 lagig),
Castverbände anzulegen.
Castschiene oder gespaltener, zirkulärer Cast?
Castschienen ersetzen in den letzten Jahren zunehmend die klassische
Gipsschiene in der Erstversorgung von Frakturen. Viele von ihnen sind
vorgepolstert, wodurch die Anlage schnell, zeitsparend und sauber
durchgeführt werden kann. Um eine ausreichende Stabilität zu erzielen
sind diese Castlonguetten zumeist aus einem Hartcast (Glasfaser 6 bis 9 lagig)
gefertigt, der ihre Einsatzmöglichkeiten in der Primärversorgung
stark einschränkt. Sie kommen bei begleitenden starken Weichteilschwellungen
oder zur Reposition von dislozierten Frakturen nicht zum Einsatz. Im Vergleich
zu einem zirkulären Verband stabilisieren Schienenverbände ein
Gelenk oder eine Fraktur deutlich weniger. Insbesondere ist das Verdrehen,
die Rotationsbewegungen der verletzten Extremität gegen nur eine dorsal-
oder volarseitig anliegende Schiene, leicht möglich.
Eine Castlonguette ist an allen Stellen gleich dick und rigide und ist damit
für eine fokussierte Ruhigstellung ungeeignet.
Ein zirkulärer Castverband stabilisiert aufgrund des Prinzips
der geschlossenen Röhre eine Fraktur oder ein Gelenk deutlich besser
als eine Longuette.
Zirkuläre Castverbände gelten allerdings oft als problematisch
in der Primärversorgung. Dies trifft aber nur für
Hartcastverbände zu, die aufgrund ihrer Rigidität, ihrer fehlenden
Flexibilität und ihrer hohen Rückstellkräfte oft zu Problemen
am Patienten führen. Tauscht man den Hartcastverband gegen einen
semiflexiblen Polyestercast mit eingewebten Gummifaden (Delta Cast
Conformable™) aus, lassen sich die Vorteile einer hohen
Frakturstabilität durch das Röhrenprinzip vom ersten Behandlungstag
an nutzen. Nach dem Spalten mit einer Verbandschere kann dieser Castverband
individuell jedem Schwellungszustand angepaßt werden. Er ist jederzeit
justierbar und ermöglicht eine dosierte Komression der frakturumliegenden
Weichteile. Damit kann das Brace-Prinzip nach Sarmiento vom ersten
Tag der Behandlung an genutzt werden.
| Prinzip der hydrostatischen Druckverteilung
(Pascallsche Gesetz) |
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| zum vergrößern das
jeweilige Bild anklicken |
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Flüssigkeitsäule ohne Krafteinwirkung.
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Flüssigkeitsäule unter Krafteinwirkung ohne
Stabilisierung.
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Flüssigkeitsäule unter Krafteinwirkung mit seitlicher
Stabilisierung; Vergleichbar mit einer Gipsschiene.
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Flüssigkeitsäule unter Krafteinwirkung mit
zirkulärer Stabilisierung; Vergleichbar mit einem Braceverband /
MOKcast.
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Anlagetechnik:
Die Anlage von MOKcast erfolgt in 7 Arbeitsschritten:
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Vorbereitung des Materials und Lagerung des Patienten.
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Anlage eines Hautschutzes, ggf. Polsterung.
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Anlage von Delta Cast Conformable™ im Sinne der FRC.
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Modellierphase.
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Spaltung und individueller Zurechtschnitt mit Verbandschere.
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Wiederanlage des Verbandes.
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Patienteninformation.
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Vorbereitung des Materials und Lagerung des
Patienten:
Die Vorbereitung der Materialien sollte eine zügige Anlage des Verbandes
unterstützen, indem sie griffbereit positioniert werden um
Verzögerungen im Ablauf zu vermeiden.
Die Lagerung des Patienten wird in einer für den Patienten und Anwender
entspannenden Position durchgeführt. Dies kann je nach Ausmaß
der Verletzung, der Diagnose , der Behandlungsmethode und des Patientenzustandes
variieren.
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Anlage eines Hautschutzes, ggf. Polsterung:
Auf eine Unterpolsterung im klassischen Sinne kann bei dieser Technik verzichtet
werden. Anstelle der zu meist sehr dick auftragenden Polsterwatte hat sich
ein Frotteeschlauch bewährt, der im Cast verklebt und bei evtl. anstehenden
Verbandkontrollen nicht erneuert werden braucht. Eine Polsterung als
"Abstandshalter" zwischen hartem Cast und weicher Haut ist nicht mehr
erforderlich, da bei einem evtl. auftretenden Engegefühl im Verband
der Cast selber verändert werden kann.
Wird an Stelle der üblichen Polsterwatte eine spezielle Polsterwatte
mit elastischen Eigenschaften verwendet (Delta rol S), kann unter dem Cast
eine Kompressionstherapie im Sinne einer Bandagierung zur Thromboseprophylaxe
durchgeführt werden. Über dieser Kompressionstherapie wird dann
der ab- und wieder anlegbare Castverband appliziert.
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Anlage von Delta Cast Conformable™ im Sinne der
FRC:
Ein MOKcastverband kann mit unterschiedlichen Anlagetechniken angelegt werden.
Ziel ist es, unterschiedliche Lagenstärken von Cast, an unterschiedlichen
Stellen innerhalb eines Verbandes, zu legen. Dies kann durch einfache
zirkuläre Rundtouren beim Wickeln oder durch das zusätzliche Einbringen
lokaler Caststreifen als Longuettte geschehen.
Anders als bei der Anlage von Gipsverbänden wird der MOKcast nicht locker
gewickelt. Die Anlage erfolgt mit einem gewissen Zug der Castbinde. Die Castbinde
wird dabei zirka 50% bis 70% gedehnt. Dies führt zu einer faltenfreien
Anlage und verbessert den Lagenverbund des Materials.
Die Lagenstärke variiert im Verband. Im direkten Frakturbereich wird
durch die Applikation von mehr Lagen ein stabiler Verband gewickelt. Am distalen
und proximalen Ende bleibt der Cast durch die Applikation von weniger Lagen
flexibel und ermöglicht dadurch, wenn gewünscht, eine aktive
Muskelbewegung im Verband.
Generell gilt: Die Lagenstärke verändert die Eigenschaften des
Verbandes:
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1. Lage: Keine ausreichende Frakturstabilität, hohe
Flexibilität; optimaler Kantenabschluß.
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2. Lage: Ausreichende Stabilität; Cast ist flexibel.
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3. Lage: Optimale Stabilität; Cast ist flexibel.
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4. Lage: Cast tendiert zum Starrverband; reduzierte Stabilität.
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5. Lage und mehr: Starrverband; eingeschränkte oder keine
Flexibilität.
Dem Anwender bleibt die Entscheidung, ob und wo der Verband flexible oder
starr sein soll.
Eine überaus exakte Verbandanlage ist nicht notwendig, da sich der Cast
auch im ausgehärtetem Zustand mit einer Verbandschere nachbearbeiten
läßt.
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Modellierphase:
Der Cast wird nach erfolgter Anlage 4 bis 6 Minuten dem Patienten anmodelliert.
Dadurch erhöht sich die Paßform und der Lagenverbund des Cast.
Während der Modellierphase lassen sich Stellungskorrekturen im Verband
durchführen.
Durch Längszug am distalen oder proximalen Ende, lassen sich evtl. Falten
im Verband problemlos glätten.
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Spaltung und individueller Zurechtschnitt:
Das Spalten des MOKcast kann mir einer normalen Verbandschere
durchgeführt werden. Auf die Verwendung einer oszillierende Säge
kann dabei verzichtet werden. Nach der Spaltung lockert sich der Verband,
aufgrund des in das Material eingewebten Gummifadens, von alleine. Dies ist
eine Besonderheit von Delta Cast Conformable™. Der individuelle
Zurechtschnitt kann am Patienten oder falls möglich patientenentfernt
durchgeführt werden.
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Wiederanlage des Verbandes:
Der fertige Verband wird dem Schwellungszustand entsprechend dem Patienten
angelegt und fixiert. Dazu können verschiedene Methoden angewandt
werden:
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Anlage mit Fixierungsbinden. Hier haben sich kohäsive Kurzzugbinden
bewährt.
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Fixierung mit Klettband. Dies vereinfacht die Ab- und Wiederanlage
des Verbandes.
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Fixierung mit Tapestreifen. Dies ist eine einfache und schnelle Methode.
Bewährt hat sich die Verwendung von Kohäsivbinden, die aufgrund
ihres Kurzzuges, ein zu schnelles Lockern des Verbandes verhindern. Ferner
sind sie in verschiedenen Farben erhältlich, tragen sehr dünn auf
und ermöglichen eine saubere und optisch ansprechende Gestaltung des
Verbandes.
Das Anbringen von Klettband zur Fixierung ermöglicht es den MOKcast
als Brace oder Orthese umzugestalten.
Der MOKcast kann beliebig oft ab- und wieder angelegt werden. So lassen sich
problemlos Haut oder Wundkontrollen durchführen oder krankengymnastische
Maßnahmen aus dem Verband heraus anwenden. Der MOKcast kann jederzeit
individuell verändert werden. Er läßt sich weiten oder durch
Herausschneiden von einem Caststreifen auch enger gestalten.
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Patienteninformation:
Der Patient benötigt eine ausführliche Information über den
Verband. Er sollte wissen, wie er sich bei möglichen Komplikationen
verhalten soll und welche Maßnahmen er ergreifen kann. Ein
aufgeklärter Patient versteht das Prinzip der fokussierten Ruhigstellung
und der definitiven Primärversorgung recht schnell. Er erfährt
eine moderne, patientenorientierte Therapie und wird so vom ersten Behandlungstag
an positiv motiviert.
Der Patient steht im Mittelpunkt des Behandlungskonzeptes. Der Patient
im Gips oder im Cast hat immer Recht. Nur wer den Verband am eigenen Körper
trägt, kann beurteilen, ob er komfortabel sitzt oder Probleme bereitet.
Das Nichtbeachten von Patientenbeschwerden muß als grob fahrlässig
eingestuft werden.
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Reposition von dislozierten Frakturen
im MOKcast:
Besondere Vorteile zeigt die MOKcasttechnik bei der Reposition von dislozierten
Frakturen.
Durch eine punktuelle Erhöhung der Lagenzahl (ca. 7 bis 9 Lagen) des
Cast an den Stellen wo die Reposition erfolgt, lassen sich dislozierte Frakturen
in eine für den Heilungsverlauf optimale Position bringen, ohne daß
der gesamte Verband aus eignem harten, nicht anpassungsfähigen Material
angelegt wird. Vorteile zeigt diese Technik vor allem in den Folgetagen nach
Reposition, da der Castverband bei einem auftretenden Engegefühl des
Patienten im Verband, im Gegensatz zum Gipsverband, millimeterweise geweitet
werden kann. Dies ermöglicht eine dosierte Lockerung des Verbandes bei
Beschwerden ohne dabei das Repositionsergebnis unnötig zu gefährden.
Nach Rückgang der Primärschwellung kann der Verband verengt werden
und beugt so einer erneuten Dislokation der Fraktur durch eine optimale
Paßform vor.
| Konservatives Vorgehen bei einer inoperablen Patientin: |
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Röntgen-Unfallaufnahme.
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Rö-Kontrolle nach Reposition im Castverband.
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Rö-Kontrollaufnahme im Castverband 14 Tage
später.
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| Präoperative Reposition im Castverband: |
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Röntgen-Unfallaufnahme.
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Rö-Kontrolle nach Reposition im Castverband.
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Rö-Kontrolle post OP. Der Castverband verbleibt als
Lagerungsschiene.
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